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& Beschlüsse

QUALITÄTSOFFENSIVE FÜR DIE LEHRERBILDUNG

Beschlossen am 03.02.2019 beim 55. Landeskongress in Schöneiche

Die Jungen Liberalen Brandenburg fordern eine bundeseinheitliche Neuausrichtung des Lehramtsstudiums für alle Schultypen.

Dafür soll das Lehramtsstudium, welches künftig nur in Grundschul-, Sekundarschul- und Berufsschullehramt unterteilt werden soll, bundesweit zu einem fünfjährigen dualen Studiengang umstrukturiert werden. Dabei sollen die theoretischen Bausteine des Universitätsstudiums reduziert und durch größere Praxisanteile ersetzt werden. Nach vier Jahren Grundstudium soll das Erste Staatsexamen absolviert werden. Das Zweite Staatsexamen wird nach einem fünften Praxisjahr erworben.

ANNÄHERUNG DER FACHWISSENSCHAFTICHEN INHALTE AN DIE REALITÄT

Die bisherigen fachwissenschaftlichen Ausbildungsinhalte an der Universität sind häufig sehr spezifisch und haben wenig Bezug zu den Inhalten der Rahmenlehrpläne. Deshalb streben wir eine Verknappung der fachwissenschaftlichen Inhalte an.  Zudem sind die Universitäten dazu angehalten, mehr gezielte Vertiefungen von Unterrichtsinhalten in ihr Lehrangebot aufzunehmen. Der Umfang von Fachdidaktik und Bildungswissenschaften soll gleichwertig zu dem der Fachwissenschaften sein.

NIE WIEDER PRAXISSCHOCK DURCH PRAXISNAHE AUSBILDUNG

Die meisten Absolventen und Studierenden des Lehramtsstudiums beklagen einen mangelnden Praxisbezug in ihrer Ausbildung. Deshalb wollen wir jegliche kurzzeitigen Praktika und Praxissemester durch eine durchgängige studienbegleitende Praxisausbildung ersetzen. Die Studierenden sollen parallel zu ihrem Studium bereits an einem Wochentag und in den Semesterferien an einer Schule tätig sein und sollen dafür auch entsprechend Credit Points erhalten. Diese setzen sich sowohl aus der Präsenzzeit an den Schulen als auch aus den Bewertungen für regelmäßige Lehrproben zusammen.

Die Studieninteressierten bewerben sich vor Studienbeginn an einer Schule und werden auf dieser Grundlage einer Hochschule zugeteilt. Das Bildungsministerium soll dabei lediglich als Vermittler zwischen Bewerbern und Schulen fungieren. Die Entscheidung über die Einstellung und damit Ausbildung eines Lehramtsstudierenden treffen die Schulen selbst. So ermöglicht man den Schulen eine eigenständige Personalplanungspolitik und stellt eine bedarfsgerechte Ausbildung in den jeweiligen Fächern sicher. Entsprechend werden die Studierenden während ihres dualen Studiums auch bereits auf Widerruf verbeamtet. Dadurch wird das Lehramtsstudium deutlich attraktiver und dem Weggang, besonders aus dem ländlichen Raum, entgegengewirkt.

Während ihrer praktischen Ausbildung sollen die Studierenden durch Mentorinnen und Mentoren aus dem Kollegium der Ausbildungsschule kontinuierlich an die Lehrtätigkeit herangeführt werden. Beginnend mit der Hospitation von Unterricht und der Unterstützung der Mentorinnen und Mentoren durch Hilfsarbeiten sollen die Studierenden am Ende ihres Studiums in der Lage sein, Unterricht selbstständig planen und durchführen zu können. Dabei sollen sie aber stets unter der Aufsicht ihrer Mentorinnen und Mentoren stehen. Die betreuenden Lehrkräfte sind vorab für dieses Mentoring zu qualifizieren und sollen für ihre Tätigkeit auch entsprechend besser finanziell entlohnt werden. Ab dem zweiten Studienjahr sollen die Studierenden die Möglichkeit haben, als Vertretungslehrer eingesetzt zu werden. Die hier zusätzlich geleisteten Stunden sind entsprechend zu vergüten.

AUSWEITUNG DER AUSBILDUNGSSTANDORTE

Neben dieser Umstrukturierung des Ausbildungssystems fordern wir eine Erweiterung der Ausbildungsstandorte. Um dem wachsenden Lehrermangel zu begegnen braucht es eine grundständige Lehrerausbildung an allen brandenburgischen Universitäten.

Bisher bildet Brandenburg als einziges Bundesland neben Mecklenburg-Vorpommern keine eigenen Berufsschullehrerinnen – und lehrer aus. Daher ist die Schaffung eines entsprechenden Studienganges notwendig, um die Qualität und Zukunft der beruflichen Bildung in Brandenburg sicherzustellen.

RELAUNCH FÜR DAS REFERENDARIAT

Im Anschluss an das erste Staatsexamen folgt als fünftes Ausbildungsjahr des dualen Studiums das einjährige Referendariat. In dieser Phase sammeln die angehenden Lehrerinnen und Lehrer neben Erfahrungen im selbstständigen Unterrichten auch weiterführende Kompetenzen in anderen Bereichen des Schulalltags wie der Klassenleitung oder dem Schulmanagement. Mit dem erfolgreichen Bestehen des Referendariats erhalten die Absolventinnen und Absolventen das zweite Staatsexamen, durch welches die uneingeschränkte Lehrbefähigung erteilt wird.

LEBENSLANGES LERNEN AUCH FÜR LEHRERINNEN UND LEHRER

Gerade für Lehrerinnen und Lehrer darf die Ausbildung nicht mit dem zweiten Staatsexamen enden. Deshalb sollen sie verpflichtet werden, jährlich in den Sommerferien eine einwöchige Fortbildung zu besuchen. In diesem Bereich müssen verstärkt auch onlinebasierte Angebote bereitgestellt werden. So können sich auch interessierte Lehrerinnen und Lehrer zeit- und ortsunabhängig freiwillig weiter fortbilden.

Darüber hinaus ist der Unterricht einmal pro Schulhalbjahr durch externe Lehrkräfte aus dem gleichen Schulamtsbezirk zu evaluieren. Dadurch wird der Austausch zwischen den Schulen intensiviert.


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