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Fehlende Anerkennung für freiwillige Helden

„Jahrhundertregen“ hieß es am Donnerstag nicht nur in Berlin, sondern auch in Brandenburg. Besonders schwer traf es die Kreisstadt Oranienburg. In Leegebruch bei Oranienburg stand das Wasser auch am Sonntag immer noch. Deshalb sind dort 150 Feuerwehrleute aus ganz Oberhavel im Einsatz. In Brandenburg rücken über 40.000 Frauen und Männer Tag und Nacht aus, wenn der Pieper geht. Davon sind die wenigsten aus den Berufsfeuerwehren in Potsdam, Cottbus, Frankfurt (Oder), Brandenburg an der Havel und Eberswalde angestellt. Andere größere Städte Brandenburgs wie Schwedt, Eisenhüttenstadt oder Fürstenwalde müssen darauf vertrauen, dass genügend freiwillige Helfer zum Zeitpunkt eines Einsatzes von der Arbeit loskommen.

Besonders auf den Dörfern ist das ein Problem. Viele der dortigen Ehrenamtlichen arbeiten in Berlin oder an anderen Orten, wodurch ein Arbeitsweg von mindestens einer halben Stunde den Normalfall darstellt. Einige Gemeinden sorgen vor, indem sie einen Teil der freiwilligen Feuerwehrleute als Gemeindearbeiter anstellen, um für den Fall eines umgestürzten Baums oder eines Feuers gewappnet zu sein. Allerdings ist selbst dann nicht gewährleistet, dass die Einsatzkräfte in dem landesweit geforderten Zeitraum von 15 Minuten ab der Alarmierung am Unfallort eintreffen.

Zudem haben auch die Feuerwehren mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen, denn gerade junge Menschen, die sich oft in den heimischen Jugendfeuerwehren engagieren, ziehen dem Studium nach. Oft haben sie auch während der Ausbildung nicht mehr genug Zeit, um sich wöchentlich zum Dienst zu treffen, sich über neue Erkenntnisse zu informieren oder einen Löschangriff zu üben. Schließlich bedeutet Feuerwehr nicht nur, zum Einsatz auszurücken, sondern auch, seine Freizeit zu opfern.

Umso schlimmer, dass gerade die freiwilligen Feuerwehrleute stiefmütterlich behandelt werden. Wenn es um fehlende Polizisten geht, ist die öffentliche Empörung weitaus größer. Doch auch das Ehrenamt verdient Öffentlichkeit. Es reicht eben nicht nur, das Geld bereitzustellen, um die notwendigen Fahrzeuge und Geräte anzuschaffen und ausgewählte Freiwillige einmal jährlich zum Ministerpräsidenten zu laden. Das Ehrenamt muss auch attraktiver gemacht werden. Immerhin ist es das Rückgrat unserer Zivilgesellschaft. Dazu gibt es bereits einige Projekte wie Rabatte in den örtlichen Supermärkten, die ausgebaut werden müssen. Immerhin retten die Ehrenamtlichen Leben, da kann kein Dank genügen.


3. Juli 2017

Isabelle Schmechta ist Abiturientin und Mitglied im Landesvorstand der JuLis Brandenburg

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