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Mathe macht einen Strich durch die Rechnung

Diesen Montag ereilt rund 2600 Abiturienten in Brandenburg das gleiche Schicksal wie bereits am 03. Mai: Die Abiturprüfung im Fach Mathematik. Nachdem sich Brandenburgs Schüler und Lehrer darüber beklagten hatten, dass die gestellte Logarithmusfunktion unzureichend bis gar nicht behandelt wurde, beauftragte das Bildungsministerium zwei Professoren der Uni Potsdam, um die Ursache zu ermitteln. Konkret handelte es sich um die schriftliche Aufgabe 2.1 mit dem Titel „Der Eisbecher“, bei der es um einen anspruchsvollen Aspekt des Bereichs der natürlichen Logarithmus-Funktionen ging. Die Professoren kamen zu dem Schluss, dass die Lehrer den Stoff vermutlich deswegen nicht vermittelt hatten, weil sie die Fortbildungen zum neuen Rahmenlehrplan 2014 nicht besucht hatten. Denn rund 30 Prozent der Schulen versäumten diese, weshalb einige Lehrer den Rahmenlehrplan falsch interpretierten. Daher sollen Fortbildungen nun kontrolliert sowie ein Fachbrief Mathematik erstellt werden.

Die wesentlichen Erkenntnisse und Empfehlungen aus dem 18-seitigen Gutachten:

  1. Der Schwierigkeitsgrad aller Aufgaben im schriftlichen Mathematik-Abitur 2017 ist angemessen.
  2. Die Aufgaben entsprechen den Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz (KMK) und sind konform mit dem gültigen Rahmenlehrplan 2014.
  3. Zur Einführung des Rahmenlehrplans 2014 wurden verpflichtende Fortbildungen in allen Schulämtern durchgeführt. Es gab zusätzliche Fortbildungen zur Implementierung des Rahmenlehrplans. Nur rund 70 Prozent aller Schulen haben ihre Mathematiklehrkräfte zu den Fortbildungen geschickt. Die Einhaltung dieser Verpflichtung muss kontrolliert werden.
  4. Die Prüfungsaufgaben, die das Landesinstitut für Schule und Medien (LISUM) für die Länder Brandenburg und Berlin entwickelt, wurden wie stets in drei Kontrollrunden von Mathematiklehrkräften des Landes geprüft. Es gab Einwände, die aber zu Recht verworfen worden sind. Es muss dennoch geprüft werden, wie in Zukunft mit diesen Rückmeldungen in Hinblick auf eine bessere Kommunikation umgegangen werden kann.
  5. Die Rahmenlehrpläne sollten so ergänzt und konkretisiert werden, dass die Schulen sie besser für die Erstellung der schulinternen Curricula nutzen können. Hier können detaillierte Ausführungshinweise die Unterrichtsqualität und damit den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler erhöhen.
  6. Zur Verbesserung der Kommunikation zwischen der Fachaufsicht im LISUM und den Schulen ist ein Fachbrief Mathematik empfehlenswert.
  7. Viele Lehrkräfte nutzen das umfangreiche und nützliche Internet-Angebot des LISUM nicht in erforderlichem Maße. Eine bessere Gestaltung und Strukturierung der Webseiten kann dafür hilfreich sein.
  8. Um in Mathematik sowohl leistungsstarke als auch schwächere Schülerinnen und Schüler besser zu fördern, ist eine Rückkehr zur Unterscheidung in grundlegendes und erhöhtes Niveau, wie sie bereits beschlossen wurde, sinnvoll. Damit wird Schülerinnen und Schülern auch die Gelegenheit gegeben, sich speziell auf ein Studium im MINT-Bereich besser vorzubereiten.
  9. Weiterhin sollten die verwendeten Lehrbücher verstärkt auf ihre Eignung geprüft werden.

Quelle: bildungsklick.de

Dennoch ist es damit für die Abiturienten nicht getan. Schließlich sollen ab dem 23. Juni die Zeugnisse übergeben werden können. Allerdings benötigen die Lehrer auch genügend Zeit zum Korrigieren. Doch das sei innerhalb von neun Tagen kaum machbar, weshalb Schüler und Lehrer den Nachschreibetermin auf den 29. Mai vorverlegen wollten, was wiederum von der Berliner Senatorin für Bildung, Sandra Scheers, abgelehnt wurde. Nun stellt sich die Frage, ob die Abiturientenbälle wie geplant stattfinden können. So trifft dies möglicherweise auf die Schüler der Potsdamer Lenné-Gesamtschule zu, die am 23. Juni ihren Abiball feiern wollten. Eine weitere Frage, die sich daraus ergibt: Wer trägt die Kosten im Falle des Ausfallens?

Diese Panne zeigt die Defizite des Brandenburgischen Schulsystems auf und stellt ein Armutszeugnis an die märkische Bildungspolitik aus, die seit 23 Jahren durch sozialdemokratische Parteimitgliedern geprägt ist. Im Gegensatz zu den Berliner Abiturienten erhalten Brandenburgs Schüler eine Wochenstunde weniger Mathematikunterricht bei gleicher Prüfung. Sicherlich gab es eine Auswahlmöglichkeit in der Prüfung, dennoch ist es den Brandenburgern gegenüber ungerecht, dass nicht alle aufgrund behandelten Stoffes die Aufgabenwahl treffen konnten. Durch den Wegfall einer Wochenstunde fehlt den Brandenburger Abiturienten unter anderem Zeit zum Üben und Vertiefen des Stoffs, wie es im Fall der Logarithmusfunktion der Fall war.

Das soll demnächst geändert werden, wenn in Brandenburg wie vor der Reformierung 2009 weniger Leistungskurse belegt werden müssen. Trotz dessen reicht es nicht aus, den Rahmenlehrplan verständlicher zu machen und einen Fachbrief Mathematik zu erstellen. Im Hinblick auf zukünftige Prüfungen scheinen die Erkenntnisse und Empfehlungen ein guter Anfang zu sein. Schade, dass die Landesregierung erst bei einem solchen Paukenschlag Handlungsbedarf sieht. Weitergehend fordern die Jungen Liberalen Brandenburg die Verschlankung und Überarbeitung der Rahmenlehrpläne, um Lehrenden und Lernenden die Möglichkeit zu geben, den Stoff auch intensiv zu behandeln.


12. Juni 2017

Isabelle Schmechta ist Abiturientin und Mitglied im Landesvorstand der JuLis Brandenburg

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