Beschlüsse

Aus der Krise to the Moon: Ein Zukunftsplan für Brandenburgs Jugend!

Die Jungen Liberalen Brandenburg legen einen 5 Punkte-Plan vor, um Brandenburgs Jugend aus der Krise heraus zu katapultieren und das Aufstiegsversprechen mit neuem Leben zu füllen.

#1 Soziale Brennpunkte löschen

Social Distancing, mehrere Lockdowns und Perspektivlosigkeit haben die sozialen Brennpunkte der Gesellschaft verstärkt aufgezeigt. Es sollte für Brandenburgs Regierung eine Selbstverständlichkeit sein, nun Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

  1. Inmitten des Lebens von jungen Menschen befinden sich Vereine und Jugendclubs. Ob Sport, Kunst oder Kultur – in den vergangen Monaten hat in diesen Bereichen zu wenig stattfinden können. Sie müssen nun umso stärker reaktiviert werden. Kommunale Jugendclubs benötigen Unterstützung in nicht nur finanzieller, sondern auch technischer Form: Wo Hygienekonzepte noch nicht umgesetzt werden können, muss schnellstmöglich Abhilfe geschaffen werden. Infektionsschutz und Jugendarbeit dürfen nicht mehr gegeneinander ausgespielt werden.
  2. Der Erhalt der Club- und Festivalszene muss von seiner Dringlichkeit endlich mit dem Erhalt von Kulturdenkmälern gleichgestellt werden. Deshalb soll sich das Land Brandenburg dafür einsetzen, Clubs und Livemusikstätten in der Baunutzungsverordnung des Bundes fortan als „kulturelle Einrichtungen“ einzuordnen.
  3. Die Sozialarbeit an den brandenburger Schulen ist eindeutig ausbaufähig. Wenn nur jede zweite Schule mit Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern ausgestattet ist, können Probleme von Schülerinnen und Schülern nicht schnell genug erkannt und angegangen werden. Es muss erklärtes Ziel der Landesregierung werden, bis 2024 eine Ausstattungsquote von 100 Prozent zu erreichen. Ebenfalls soll der Eigenanteil der Stellenfinanzierung von Kommunen entfallen, sofern an der entsprechenden Bildungseinrichtung noch kein Personal für Sozialarbeit angestellt ist. In diesem Zusammenhang sollen Fördermittel des Landes für die Kommunen bereitgestellt werden. Ferner wollen wir auch die außerschulische Sozialarbeit stärken und in größerem Umfang als bislang fördern.
  4. Die Zunahme der Fälle häuslicher Gewalt offenbart akuten Handlungsbedarf. Wir wollen die Beratungs- und Hilfsangebote krisenfest aufstellen und fordern hierzu:

    1. Die Einführung eines länderübergreifenden Online-Registers zur Registrierung und Abfrage freier Frauenhausplätze, um grenzübergreifende Kooperationen zu erleichtern und vorhandene Kapazitäten besser zu ermitteln.
    2. Die Schaffung ausreichender Plätze in den Frauenhäusern. Richtschnur hierfür sollen die Vorgaben der Istanbul-Konvention sein.
    3. Die Durchführung einer Studie, in welcher der Bedarf nach Männer und Jugendschutzeinrichtungen in Brandenburg evaluiert wird.
    4. Die Finanzierung und Durchführung von Aufklärungskampagnen, mit dem Ziel, potenziellen Opfern und Tätern Informationen zukommen zu lassen.

#2 Bildungsungerechtigkeit kontern

Bildung ist der Schlüssel zu einer selbstbestimmten Zukunft. In der Pandemie-Phase hing der Bildungszugang für viele Brandenburger Schülerinnen und Schüler vom sozioökonomischen Hintergrund des Elternhauses ab. Digitale Endgeräte, Internetzugang, oder auch individuelle Unterstützung durch bspw. die Eltern entschieden über den Lernerfolg. Das darf sich nicht wiederholen!

  1. Es ist schwer abzusehen, wie stark aktuelle und zukünftige Pandemien den Alltag von jungen Menschen in den kommenden Jahren einschränken werden. Genau deshalb müssen Bildungseinrichtungen jeglicher Art ihre Erfahrungen aus der Corona-Pandemie nutzen, um flexibler reagieren zu können. Hybrid- oder Digitalunterricht darf keine Hürde mehr darstellen und die Mittel aus dem DigitalPakt müssen endlich unbürokratisch abrufbar werden. Digitale Hausmeister, Schulserver und Digitalkompetenzen für Lehrerinnen und Lehrer müssen zum Standard werden. Das Land Brandenburg soll in diesem Zusammenhang ein einheitliches, digitales System zur Schulverwaltung sowie eine einheitlich genutzte Lernplattform zur Verfügung stellen und bedarfsgerecht weiterentwickeln. Eine Zusammenarbeit mit externen Partnern soll möglich sein.
  2. Die Landesregierung sollte in Zusammenarbeit mit der Universität Potsdam Lehramtsstudierende dafür anwerben, Schülerinnen und Schüler, aber auch ältere Lehrkräfte beim digitalen Lernen und Lehren zu unterstützen. Für diese Unterstützung sollen die Lehramtsstudierenden Leistungspunkte für ihr Studium erhalten.
  3. Außerunterrichtliche Nachhilfe und freiwillige Ferienkurse sollen eine langfristige Ergänzung des Regelunterrichts werden. Hierzu eignen sich Bildungsgutscheine hervorragend, um nicht mehr den Geldbeutel der Eltern über Bildungsangebote entscheiden zu lassen und trotzdem zielgebunden den betroffenen Schülerinnen und Schülern die nötige Hilfe zukommen zu lassen.
  4. In Brandenburg besteht bereits ein Angebot zur Berufsberatung, welches wir verstärken wollen und als eine zentrale Anlaufstelle für Berufsberatung und Praktika sowie zusätzliche Aktionsprogramme, -tage und -wochen noch öfter an die Schulen bringen wollen. Gerade die Vermittlung von Berufspraktika in Ausbildungsbetrieben an Ober- und Gesamtschulen spielt für uns dabei eine besondere Rolle. Zudem sollen die Jahrgänge, welche bedingt durch die Corona-Pandemie keine Praktika belegen konnten, die Möglichkeit für ein freiwilliges bezahltes Praktikumsjahr zur Berufsorientierung bekommen.

#3 Studis und Azubis nicht alleine lassen

Während manche Azubis seit Beginn ihrer Ausbildung aufgrund von Einschränkungen noch nie im Praxisbetrieb arbeiten konnten, haben Studierende seit mehreren Semestern ihre Universität nicht besuchen können. Lassen wir Studis und Azubis jetzt nicht allein, damit wir später noch Spezialisten und Fachkräfte haben!

  1. Durch unvorbereitete Hochschulen konnten Studentinnen und Studenten nicht wie gewohnt arbeiten, denn die Umstellung von Präsenz- auf Onlineveranstaltungen lief meist unkoordiniert und hektisch ab. Deshalb sind die beeinträchtigten Zeiträume nicht als Semester der Regelstudienzeit zu zählen.
  2. Weniger Busse und Bahnen, eingeschränkter Betrieb sowie Ausgangssperren haben die Mobilität im öffentlichen Personenverkehr der letzten Monate deutlich reduziert. Dennoch müssen Studierende weiterhin den vollen Beitrag zum VBB-Ticket bezahlen. Ab dem kommenden Semester soll dieses fortan für alle Studierenden standardmäßig optional sein. Außerdem gilt es zu prüfen, inwieweit die Semesterticketgebühren anteilig erstattbar sind, um Studentinnen und Studenten finanziell zu entlasten.
  3. Das Studium sowie die Ausbildung sind keine kurzfristigen Projekte und benötigen Planungssicherheit. Für die Arbeitskräfte von morgen braucht es schnellstmöglich klar kommunizierte Öffnungsschritte. Betriebe und Hochschulen brauchen keine reaktionäre Landespolitik, sondern klare Vorgaben, ab wann ein Regelbetrieb wieder möglich wird. Hierzu ist von der Landesregierung ein Stufenplan unter Berücksichtigung der Kapazitäten von Krankenhäusern, Inzidenzwerten, Impffortschritt und weiteren Indikatoren zu erstellen. Gerade bei Universitäten gilt die Devise, diese erst zu schließen, wenn es aus epidemiologischer Sicht alternativlos ist. Dabei muss die individuelle Risikoexposition der Studis beachtet werden. Kleinere Seminare sollen unter Einhaltung von Abständen und mit Testungen ab sofort wieder in größeren Hörsälen in Präsenz stattfinden können.
  4. Stetig gibt es weniger neue Meister in Brandenburg, da für eine Weiterbildung oft das Geld fehlt. Es braucht jedoch keinen Meistertitel um erfolgreich zu werden. Der Meisterzwang muss abgeschafft werden, um mehr jungen Gesellen den Weg in die Selbstständigkeit zu erleichtern.

#4 Aufstiegschancen der nächsten Generation pimpen

Das Aufstiegsversprechen und ein Vorankommen durch eigene Leistung sind nach einer Krise wie dieser wichtiger denn je. Wenn junge Menschen heute Erfolg haben, profitiert morgen die gesamte Gesellschaft des Landes davon.

  1. Mit 450 Euro im Monat hat sich die Minijob-Grenze als eindeutig zu niedrig erwiesen. Es bedarf einer Dynamisierung in Kopplung an den Mindestlohn, um flexibles Arbeiten lohnenswerter zu gestalten.
  2. Die Landesregierung muss sich dafür einsetzen, die Zuverdienstgrenzen von Kindern Hartz-4-empfangender Familien zu erhöhen. Ein Aufbruch aus der Grundsicherung muss durch eigene Arbeit möglich sein. Ebenfalls muss sich Brandenburg für ein elternunabhängiges BAföG stark machen und dabei die Möglichkeiten für die Studis auch für Azubis öffnen.
  3. Das Land Brandenburg braucht eine verstärkte Stipendienkultur. Mit zielgenauen Konzepten und Fördergeldern können beispielsweise Kinder aus einkommensschwachen Familien individuell unterstützt werden.
  4. Wirtschaftliches Handeln betrifft jede und jeden. Deshalb soll das Fach Wirtschaft ein fester Bestandteil der Schulzeit werden. Um neuen Ideen und Innovation Raum zu geben soll ebenfalls eine Wagniskapital-Förderung für junge Brandenburgerinnen und Brandenburger geschaffen werden.

#5 Mental Health matters.

Durch Isolation und eine deutliche Reduzierung von sozialen Kontakten sind psychologische Belastungen junger Menschen verstärkt und schwerer sichtbar geworden. Mental Health ist deshalb ein Thema welches in die erste Reihe der Post-Covid Maßnahmen gehört.

  1. Brandenburg braucht nach den vergangenen Monaten eine Bestandsaufnahme vom Zustand junger Menschen. Häusliche Gewalt, Depressionen und Cybermobbing müssen mit einem Fokus auf junge Menschen untersucht und die entsprechende Präventionsarbeit weiter ausgebaut werden. Ein Aktionstag pro Jahr ersetzt nicht anderthalb Jahre Distanzunterricht.
  2. Es soll ein Ausbau an Stellen für Schulpsychologen stattfinden und mehr Studienplätze für Psychologie und Psychotherapie an Hochschulen im Raum Berlin/Brandenburg angeboten werden. Zudem soll die Anzahl der Kassensitze für Psychotherapeuten und vor allem Kinder- und Jugendpsychiater sowie die Anzahl der Terminservicestellen für die Vermittlung von Psychotherapieplätzen im Land Brandenburg erhöht werden.